
Mein Leben für die Musik.
Ich wurde 1968 in Darmstadt geboren und ich beschäftige mich gefühlt schon mein ganzes Leben intensiv mit Musik. Wahrscheinlich stimmt das sogar, denn durch meine beiden (ebenfalls musikbegeisterten) großen Brüder prägte Musik bereits meine Kindheit. Mein Bruder Matthias war großer Fan der Beatles und Abba, während mein Bruder Andi mehr auf Pink Floyd, Supertramp oder Alan Parsons Project stand. Das ergab für mich einen bunten Mix und ich werde nie vergessen, als ich Mitte der Siebziger das erste Mal „Time“ von Pink Floyd, „Autobahn“ von Kraftwerk oder „Oxygene IV“ von Jean-Michel Jarre auf Kopfhörern hörte. Das war eine Offenbarung. Auch das Disco-Fieber und der Beginn des New Wave Ende der Siebziger ging nicht spurlos an meinen Brüdern vorbei und so begeisterte ich mich recht früh für sehr vielfältige Musik-Richtungen.
Natürlich hing ich jeden Donnerstag – wie jeder hessische Teenie – am Radio und hörte die Hitparade International mit Werner Reinke. Dort begeisterten mich schon immer die neuen Sounds und so war meine erste selbst gekaufte Schallplatte 1980 (mit 11 Jahren) „Vienna“ von Ultravox, gefolgt von „Visage“ von Visage, „Mensch Maschine“ von Kraftwerk und „Travelogue“ von Human League. Bis heute finde ich diese 4 Alben absolut genial und bezeichne sie auch immer noch als Wegweisend. Auch wenn das vielleicht etwas subjektiv sein mag.
1981 kaufte ich mit „Maid of Orleans“ von OMD meine erste 7“ und entdeckte dann auch auf dem knallig lilafarbenem Sampler „New Wave“ aus England, eine Band namens „Depeche Mode“, die mich bis zum Ausscheiden von Alan Wilder durch mein Leben trug.
Parallel habe ich mich auch mit Punk & Wave beschäftigt, da meine Brüder über ihre Freunde auf einmal so Sachen wie Fischer-Z, The Police, The Clash und Sex Pistols anschleppten. Schnell entdeckte ich auch die coolen deutschen Bands, wie Ideal, Fehlfarben, Der Plan oder DAF. Und dann kam natürlich Joy Division dazu, was mir dann meine schwarze Seele eröffnete. Tragischerweise war Ian Curtis bereits tot, als ich seine Musik entdeckte, aber seitdem lässt mich auch New Order nicht mehr los und schließt den Kreis zur elektronischen Popmusik. Über die Labels Factory und Mute entwickelte ich mein heutiges Musik-Wissen maßgeblich. So lernte ich auch Industrial kennen und landete darüber auch bei EBM.
Mitte der Achtziger bestand meine bereits recht ansehnliche Sammlung dann Hauptsächlich aus Depeche Mode, New Order, Human League, The Cure, Anne Clark, Ultravox, OMD, Kissing the Pink, Boytronic, Pet Shop Boys, Jean-Michel Jarre, Kraftwerk, ABC, Soft Cell, Gary Numan, John Foxx, Skinny Puppy, Severed Heads, Death in June, Dead can Dance, Front 242, I Start Counting und Art of Noise. Und natürlich alles, was darum so entstand. Schnell stellte ich fest, dass es einen Zusammenhang von Label, Produzenten und Songwritern mit der Qualität der Musik gibt. Selbst das Cover-Design schien ein gewisses Qualitätsmerkmal zu sein. Ich stieg also tiefer in das Thema ein und fuhr regelmäßig nach London und Berlin, um mich mit neuer oder alter Musik einzudecken.
Längst machte ich auch selbst Musik und legte bei Schulfesten und Geburtstagen als DJ meine Lieblingsplatten auf. Außerdem handle ich seit 1988 mit Schallplatten. Zunächst auf Flohmärkten und Plattenbörsen, später dann mit einem Online-Shop, den es immernoch gibt (discorder.de)
Seit dieser Zeit verfolge ich das Musik-Geschehen mit all seinen Höhen und Tiefen. Ich freute mich über Grunge, Trip Hop und Trance, kotzte zu HipHop, Rap und Eurodance, langweilte mich mit Britpop, Boybands und Deutsch-Pop, nahm wohlwollend die Synthpop-Szene um Camouflage, De/Vision, Wolfsheim und Mesh wahr, bis mich dann die neuen alternativen Electro-Projekte wie Röyksopp, Villa Nah, Vile Electrodes, Churches, Fever Ray oder Tiny Magnetic Pets wieder richtig begeistern konnten.
Übrigens gab es selbst in den miesen 90ern einige Highlights, die bis Heute zu meinen Lieblingsbands gehören: z.B. Garbage, Saint Etienne, Björk, Massive Attack oder Faithless. In den letzten Jahren langweilen mich die Charts extrem und die Entwicklung der Streaming-Dienste macht mich nicht nur traurig, sondern wütend. So wenig Wertschätzung ist leider ein Merkmal unserer heutigen Gesellschaft. Sehr traurig.
Als großer Fan vom kalten und apokalyptischen Flair, sowie der kreativen, musikalischen Vielfalt der späten Siebziger und der Achtziger Jahre, stößt es mir immer wieder auf, dass (vor allem die Achtziger) von Oliver Geißen und der Allgemeinheit gerne auf Nena, Vokuhila, Modern Talking und Michael Jackson reduziert werden. Das Jahrzehnt hat sehr viel mehr zu bieten und ich werde nicht müde, mein Umfeld darauf aufmerksam zu machen.