Konzert 2022.12: Howard Jones (support: Thorsten Quaeschning)
14.11.2022, Markthalle, Hamburg, Gesamtbewertung: 7,4
Bewertungen (0-10)
Künstler/Band: 9
Musik: 6 (wegen der Akustik-Einlagen)
Sound: 8
Bühnenbild: 4
Location: 10
Das ich Howard Jones in Hamburg sehe, ist eher ein glücklicher Zufall. In Frankfurt spielte er 2 Tage später am 17.11. in der Batschkapp, aber am gleichen Tag waren Cure in der Festhalle. Da Klonen nicht zu meiner Kernkompetenz gehört, musste ich mich entscheiden. Natürlich für The Cure. Wie es aber der Zufall so wollte, war sowieso ein Wochenende in Hamburg geplant und so konnte ich 2 Fliegen mit einer Klappe erschlagen. Eigentlich sogar 3 Fliegen, denn in die Markthalle wollte ich schon seit den Achtzigern unbedingt mal rein. Also kurz zur Location: Die Markthalle ist die erste Location, die das gemacht hat, was ich mir überall wünschen würde. Nämlich Stufen rundum in der Halle, wodurch man eigentlich überall sehr gute Sicht auf die Bühne hat. VORBILDLICH!


Weiter zum Support Act Thorsten Quaeschning von Tangerine Dream, der eine sehr schöne Solo-Performance hingelegt hat. Ambient-Trance vom Feinsten, aber ehrlich gesagt etwas langweilig live, wenn man nicht so richtig sieht, was der Typ da vorne so macht. Mir hat es zwar sehr gut gefallen, aber richtig kurzweilig war es leider nicht.

Dann betrat der Meister mit Band die Bühne. Sein schrilles Jacket fand ich etwas gewöhnungsbedürftig und der Bassist (Nick Beggs von Kajagoogoo) erinnerte mich sehr an Gil, den Gitarristen von Hep Alien (Insider für Gilmore Girls Fans). Ich glaube, ich war etwas enttäuscht, dass es nicht so zu werden schien, wie ich es mir erträumt hatte. Howard Jones alleine, umgeben von etlichen Synths und Sequenzern, die er beidhändig und -füßig, virtuos bedient und dabei in ein Nackenbügelmikrofon singt. Eben so, wie es 1984 war, als er mich genau damit nachhaltig beeindruckte und ich das unbedingt live erleben wollte. Gitarre und Bass passten für mich irgendwie nicht ins Bild. Wenigstens hat er sich ein akustisches Schlagzeug verkniffen, sondern einer der Keyboarder hat oft auf E-Drumpads mitgespielt und die Songs waren nicht übermäßig verrockt. Jones spielte häufig auf einer „Keytar“, einen Synthie zum Umhängen. In den Achtzigern war das eher peinlich (Dieter Bohlen hatte sowas benutzt), aber Heute ist das ein guter Kompromiss für Sänger, die nicht steif hinter einem Keyboard stehen wollen.
Equality als dritter Song war sogar so genial, dass ich fast euphorisch wurde und meine Erwartungen drastisch gestiegen sind. 2 Songs später kam dann aber der erste Dämpfer: Akustik-Versionen!!! Der blanke Horror für mich auf einem Synthpop-Konzert. Das finde ich sowas von unnötig. Dass Howard Jones super singen und spielen kann, konnte man auch so schon hören…
Im nachhinein war ich vielleicht zu Streng mit dem „zweiten Dämpfer“, der im direkten Anschluss der 3 Akustik-Titel folgte: Er spielte „To Shy“ von Kajagoogoo. Nicht nur, dass ich das Lied selbst etwas zu „cheesy“ finde, sondern auch frage ich mich, warum er das nötig hat. Er hat genug eigene Songs, die ich gerne gehört hätte. Das hat mich schon bei Kim Wilde aufgeregt, als sie „Pop Musik“ coverte. Natürlich war das hier bei Jones etwas anderes, da ja Bassist Nick Beggs einer der 5 Autoren des Hits war und Herr Jones dadurch eine Legitimation hatte, den Song hier zu spielen. Trotzdem hätte ich das nicht gebraucht. Zumal ausgerechnet das nun der bisherige Höhepunkt (für das gemeine Publikum) war, das lautstark mitgröhlte wie auf einer 80er Aprés Ski Party im „Fröhlichen Yeti“ in Kitzbühl.
Es ging dann wieder qualitativ hochwertiger weiter und „What is Love“ war dann der nächste Höhepunkt. Dieses Mal konnte ich mich dem Mitsingen selbst nicht verwehren. Der Song ist einfach zu gut und wurde auch live sehr gut gespielt (Video siehe unten). Das wars dann aber auch schon. Natürlich vermisste ich meinen absoluten Lieblingssong von Howard Jones, nämlich „Hide & Seek“. Ich war mir sicher, der kommt noch als Zugabe. Nach „Things can only get better“ kam er dann auch ganz zum Schluß. Allerdings leider als dritter Dämpfer: Als Akustik Version. Natürlich trotzdem ein wunderschöner Song, aber die Atmosphäre kam so überhaupt nicht rüber. Leider keine Gänsehaut bei der Zugabe.
Howard Jones selbst hat eine tolle Bühnen Präsenz und lässt darüber hinwegsehen, dass die Lightshow recht mager war. Ein paar nette Moving Heads, die zwar ordentlich ihren Dienst getan haben, aber nicht besonders einfallsreich daher kamen. Insgesamt ein sehr gutes Konzert, das aber das Potenzial gehabt hätte, ein geiles Konzert zu werden.
Top Gänsehaut-Momente:
Equality und What is Love





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