Konzert 2022.13: The Cure
17.11.2022, Festhalle, Frankfurt, Gesamtbewertung: 8,4
Bewertungen (0-10)
Künstler/Band: 9
Musik: 10
Sound: 8
Bühnenbild: 10
Location: 5
Ich habe The Cure ja nun schon einige male gesehen. Das erste Mal 1985 oder 86 auf der „Head on the door Tour“, danach noch ein paar mal. Und sie wurden immer etwas rockiger und belangloser. Trotzdem lasse ich nachwievor keine Gelegenheit aus, mir ein Konzert anzuschauen, denn trotzdem sind die (alten) Songs immernoch phantastisch und Robert Smith ist immernoch Robert Smith. Mit Zauselhaaren und unverwechselbarer Stimme. Und für meine Treue wurde ich dieses Mal mehr als angemessen belohnt mit einem außergewöhnlichem Konzert. Und das sage ich selten. Nicht nur, dass es 28 Lieder zu hören gab, es ging über 2 Stunden. Kein Wunder bei der Länge einiger Songs, bzw. deren Intros.
Fürs Protokoll: Die Festhalle ist für mich neben der Frankfurter und der Düsseldorfer Arena die beschissenste Location überhaupt. Viel zu groß, Scheiß Sicht, Scheiß Sound. Ich mag solche großen Dinger einfach nicht. Aber man kommt ja nicht drum herum, wenn man gewisse Künstler sehen will. Ich bin also eigentlich ziemlich genervt an meinem Platz angekommen und meine Freundin musste mir erstmal in den Hintern treten, dass ich wieder auf den Boden zurück kam. Zum Glück hat das funktioniert, denn sonst hätte ich das geniale Konzert nicht genießen können.
Ich weiß garnicht, wo ich anfangen soll. Am besten wohl am Anfang. Das Bühnenbild mit den riesigen Screens war schonmal sehr beeindruckend. Auch, weil dort die Band immer wieder gezeigt wurde und man dadurch auch auf unseren (guten) Plätzen etwas mehr sehen konnte. Ich wußte ja schon, dass The Cure auf dieser Tour ein paar neue Titel präsentieren würden. In den letzten Jahren bedeutete das nix Gutes, denn die letzten Alben waren sehr rockig und langweilig. Anders dieses Mal. Dank YouTube konnte ich vorab 3 der neuen Songs hören und ich war begeistert. Die klingen wie früher. Lange, sphärische Intros gefolgt von melancholischen Melodien und der typischen Darbietung der dusteren Texte aus den tiefsten Hirnwindungen von Herrn Schmitt. Und auf der Bühne waren 2 große Keyboard-Stationen aufgebaut, die gegen eine Rock-Show sprachen.
Und so ging es dann mit viel Nebel und weißlichem Licht mit dem wabernden Intro des neuen Titels „Alone“ los. „Disintegration“ meets „Pornography“. Ein Traum wird wahr. The Cure machen nochmal ein gute Platte (hoffentlich wenn sie denn mal raus kommt). Es folgen 16 Titel, von denen ich nur „Shake Dog Shake“ nicht gebraucht hätte. Einer besser als der andere und durch den Stil der neuen Songs, erhielten auch die alten Songs ausreichend Synthies und dadurch Atmosphäre. Im Hauptset gab es dann neben einiger alter „Nicht-Hits“ auch noch 3 weitere neue Songs zu hören: „And nothing is forever“, „A fragile Thing“ und als Abschluss „Endsong“. Nach diesem Set war ich begeistert und die restlichen 13.000 Leute deprimiert. Kein kultiges „Boys don’t cry“?, lustiges „Lovecats“ oder fröhliches „Friday I’m in love“? Ich glaube, die Stimmung war angespannt und die Hoffnung auf die Zugabe war bei den 13.000 Muggles groß.
Diese Hoffnung zerstörte die Band allerdings schnell. Scheinbar hat beim Schizophrenen Robert Smith zur Zeit der alte Nihilist und Antipopstar die Oberhand. Die Zugabe begann mit dem fünften neuen Titel „I never can say goodbye“, gefolgt von „Cold“, einem meiner absoluten Lieblingslieder überhaupt und ever. Ich hätte gerne mal in die Gedanken einiger Gäste reingelesen, die nur wegen der tollen Achtziger Hits in die Festhalle gekommen waren. Die müssen entsetzt gewesen sein. Und ich vermute, genau das beabsichtigte Robert Smith. Und dafür liebe ich ihn. Immerhin kamen jetzt noch 2 „Hits“: „Charlotte Sometimes“ und „A Forest“. Beide Titel nicht gerade fröhlich, aber dafür umso beliebter bei mir. Ich war TOTAL BEGEISTERT. Was für eine geile Setlist. Was für ein Frust bei der mehrheit der Gäste.
Schließlich hatte Smith dann aber doch eine gute Nachricht für die Frustrierten: Die zweite Zugabe-Runde mit weiteren ACHT! Titeln war dann eine Best-Of-Runde. Und nicht, dass wir uns falsch verstehen: Ich finde auch die Hits super und habe mich in dieser Form sehr darüber gefreut. Zumal mir das doofe „Lovecats“, das anstrengende „Why can’t I be you“ und das ätzende „Hot,Hot,Hot“ erspart wurden. Die mag ich nämlich tatsächlich nicht besonders…
Zur Band selbst kann ich garnicht so viel sagen. On/Off Bassist Simon Gallup ist etwas affig im Stil eines Metal-Gittaristen über die Bühne gehüpft und hat mich dabei sehr an die Rock-Parodie von New Order im Video „Touched by the hand of god“ erinnert. Ich fürchte allerdings, Gallup hat das ernst gemeint. Robert Smith verlor zwischenzeitlich mal etwas die Stimme bei „A forest“ und „Lullaby“, was natürlich sehr schade war, denn ich liebe beide Songs. Davor und danach war aber alles prima und er sang super. Die 2 Keyboardern waren wie zu erwarten keine Sound-Virtuosen, haben aber ihren Job gut gemacht. Und es war gut abgemischt, was ja leider bei Synths oft ein Problem ist bei Live-Auftritten.
Von Licht und Visuals könnt ihr euch an Hand der Bilder selbst ein Urteil machen. Vieles ist zwar seit Jahren immer wieder das gleiche (z.B. Lullaby), aber das stört mich nicht, so lange es so stimmig und schön ist. Insgesamt war es das beste Cure-Konzert, auf dem ich jemals war.
Top Gänsehaut-Momente:
Intro, Lovesong, Cold, A Forest, Lullaby, alle 5 neuen Songs




















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