Hildegard von Binge Drinking/Minimal Schlager in Frankfurt

Konzert 2023.06: Hildegard von Binge Drinking

13.9.2023, Tanzhaus West, Frankfurt
Support: Minimal Schlager
Gesamtbewertung: 7,4 (10)

Bewertungen (0-10)
Künstler/Band: 8
Musik: 8
Sound: 6 (Gesang bei Minimal Schlager zu leise, sonst 9)
Bühnenbild: 5
Location: 10

Einführung

Viel Einführung gibt es hier eigentlich garnicht. Mein Freund Dirk wollte die verrückten „Hildegard von Binge Drinking“ schon immer mal sehen und als sie diese Tour als Abschiedstour deklariert hatten, suchte er nun eine Begleitung. Eigentlich fand ich die zwei trinkenden wilden Nonnen eher weniger spannend, aber als ich mir die Vorgruppe „Minimal Schlager“ auf YouTube und Bandcamp anschaute, wollte ich unbedingt auch auf das Konzert. Dazu kommt, dass die Location in der Frankfurter Gutleut-Straße sehr cool ist und der Preis von 12€ extrem fair war.

Minimal Schlager

Minimal Schlager ist ein sehr merkwürdiger Name für eine Band aus Berlin. Zumal die Musik weder etwas mit Schlager, noch mit Minimal zu tun hat. Ich würde die Musik als lupenreinen Darksynthwavepop mit Italo-Disco-Elementen bezeichnen. Tolle Melodien, viele Synths, gute Rhythmen und eine wunderschöne Stimme. Musikalisch klingt es oft nach einer Mischung aus New Order, Saint Etienne und Trisomie 21. Das sind 3 meiner Lieblingsbands, es überrascht also nicht, dass ich begeistern bin. Übrigens sind auch die Videos sehr sehenswert…

Der Auftritt der 2 Wahl-Berliner mit argentinischen Wurzeln war sehr überzeugend. Auch wenn die Stimme leider viel zu leise abgemischt war. Wie mir Sängerin Alicia später am Merch-Stand bestätigte, gab es wohl technische Probleme mit Rückkopplungen und sie mussten entweder auf diverse Gesangseffekte verzichten oder die Stimme etwas leiser abmischen. Da die Effekte ein wichtiges Stilelement von Minimal Schlager sind, entschied man sich für die leise Stimme. Bei einem Auftritt im Vorprogramm in dieser Dimension, habe ich dafür volles Verständnis. Ansonsten kümmerte sich Elektroniker/Gitarrist Fran um diverse Synths, Effekte und Sequenzer, während sich Alicia neben dem Gesang auch hin und wieder einem Synth oder ihrem Loop-Sampler widmete. Der Sound war – von der Stimme abgesehen – sehr satt und fett. Man merkt, dass hier öfter mal Techno-Veranstaltungen stattfinden. Für mich eine tolle Neuentdeckung, die ich gerne unterstütze. Neben allem, was sie bis jetzt auf Bandcamp veröffentlicht haben, kaufte ich auch ein T-Shirt und eine Tasche. Solche Bands muss man einfach lieben und unterstützen.

Hildegard von Binge Drinking

Die 2 Würzburger mit dem sehr merkwürdigen Namen, dem noch merkwürdigerem Bühnenauftritt und dem mindestens genauso merkwürdigem Musik-Mix aus Krautrock, Punk, EBM und Synthpop gefielen mir doch deutlich besser als gedacht. Die Clips auf Youtube fand ich oftmals sehr eintönig und schräg. Ich fürchtete, dass mir das live auf Dauer zu anstrengend würde. Dem war nicht so. Es war sehr kurzweilig. Besonders die ersten 3 Titel, die sehr an Kraftwerk erinnerten, haben es mir sehr angetan. Leider kamen da dann doch noch etwas weniger melodische Tracks. Insgesamt aber ein guter Mix ihres Schaffens, was ja als Jubiläums und Abschiedstour auch sehr passend ist. Anbei ein Link zu ihrer Bandcamp-Seite.

Elektroniker und Stimme Daniel Gehret strotzte voller Energie und spielte seine Rolle als verrückte Nonne genauso gut wie Drummer Matthias Labus. Gehret wirkte am Keyboard, dem Theremin-Controller und mit der manischen Vocoder-Stimme dabei oft wie „Tier„, der wilde Schlagzeuger der Muppets. Live wirkt die Musik deutlich rauher und ungeschliffener. Es war sehr kurzweilig. Nur die Cover-Versionen von Enola Gay, Neonlicht und vor allem Halo (Beyoncé, nicht Depeche Mode) hätte ich nicht gebraucht. Die fand ich etwas schwach. Wobei Enola Gay schon ganz gut war. War halt nah am Original…

Besonders beeindruckend fand ich, dass die beiden Herren durch ihre Strumpfmasken Bier in Massen abgekippt haben. Quasi extra gefiltertes Bier. Respekt. Die müssen geschwitzt haben wie die Sau. Achja, es sollte noch erwähnt werden, dass das Darmstädter Krone Urgestein Lolo Blümler (Ska Trek) bei Produktion, Mixing und Mastering der Alben seit 2016 seine Finger im Spiel hatte.


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