Kim Wilde in Offenbach

Konzert 2022.09: Kim Wilde „Greatest Hits“

22.10.2022, Capitol, Offenbach, Gesamtbewertung: 7,4

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Künstler/Band: 8
Musik: 7
Sound: 7
Bühnenbild: 7
Location: 8

Nun ja, Kim Wilde ist so ein spezielles Ding. In den Achtzigern war das auch so eine Künstlerin, die ich nicht „offen“ hören konnte. Zumindest nicht ab 1983/84. Da war das „kommerzielle Kacke“ in Augen der coolen Grufties und Punks. Ich hab sie allerdings schon als 13jähriger geliebt. Das war 1981, als mich „Chequered Love“ oder „Cambodia“ begeistert haben. Ich muss auch zugeben, dass sie meinen pubertierenden Hormon-Haushalt ziemlich durcheinander gewirbelt hat. Und auch später hat sie immer wieder tolle Songs veröffentlicht. Im schlimmsten Fall war sie mal langweilig, aber nie richtig schlecht in meinen Augen.

In den Achtzigern hat es sich nicht ergeben, daß ich sie live sehe und in den Neunzigern war sie mir etwas zu langweilig. Dann ist sie ja irgendwann ausgestiegen und hat im englischen Fernsehen eine Garten-Show moderiert. Große Freude dann, als sie 2018 zusammen mit Bruder Ricky ein neues Album (Here Come The Aliens) veröffentlichte, das zwar relativ rockig, aber garnicht mal so schlecht ist. Es folgte eine Tour, die sie auch nach Frankfurt in die Batschkapp führte. Auch wenn ich aus mehreren Quellen hörte, dass sie live nicht besonders gut sei, war ich natürlich da und habe auch dazu einen kleinen Bericht verfasst: https://ballastwissen.blogspot.com/2018/10/konzert-201815-kim-wilde.html

Wer jetzt meinen Bericht von 2018 nicht gelesen hat, sollte wissen, dass ich das Konzert damals nur so lala fand. In erster Linie, weil der Sound echt Kacke war und das Ganze zu rockig performt wurde. Ihre Stimme ist einfach nicht kräftig genug um gegen schrammelige Gitarren und 2 Schlagzeuge anzukämpfen. So hatte ich große Probleme dieses Jahr eine Begleitung zu finden, was dazu führte, dass ich alleine nach Offenbach ins wunderbare Capitol fahren musste. Ich hoffte halt, dass ein „Greatest Hits“ Programm deutlich weniger rockig werden würde und dadurch auch ihre Stimme besser zur Geltung kommt. Aber dazu später mehr.

Als erstes fiel mir auf, dass wieder 2 Schlagzeuge aufgebaut waren und wieder gab es nur 1 Keyboard-Station. Die Zeichen standen auf „Rockshow vol.2“. Als sich die Bühne füllte, wurde ich leider bestätigt: 2 Gitarren, 2 Schlagzeuge, 1 Bass, 1 Backgroundsängerin (Kims Nichte Scarlett) und die liebe Kim. Es wurde aber nicht ganz so schrammelig wie 2018, was in erster Linie daran lag, dass der Sound besser abgemischt war und Kim nicht so schreien musste. Dennoch war es mir wieder zu rockig und gerade bei den älteren Stücken fehlte mir durch die abwesenden Synth-Parts (mal Melodien, mal Atmosphäre) etwas der Achtziger Flair, der immer das Besondere bei ihren Songs war. Musikalisch war die Band ok und auch Kims Nichte Scarlett bereicherte die Show sehr, indem sie teilweise ihre Tante mit zweiter Stimme etwas mehr Volumen gab. Kim Wilde selbst hat zwar besser gesungen als noch 2018, aber eine große Sängerin ist sie einfach nicht. Das kompensiert sie aber durch ihr sympathisches Auftreten.

Mit der Setlist bin ich nicht ganz einverstanden. Wobei „Greatest Hits“ im Gegensatz zu „Best of“ eigentlich sehr eindeutig ist und wenig Spielraum für Geschmack läßt. Richtig vermisst habe ich „Child come away“, „Words fell down“, „It’s here“, „Loved“ und „Love Blonde“, aber mehr gestört haben mich eher einige Lieder, die hier nix verloren haben und die ich gerne durch die von mir vermissten Titel ersetzt gehabt hätte. Oder waren „Kandy Krush“, „Perfect girl“ oder „Love in the natural way“ wirklich Hits? Ich erkannte die nicht mal. Auch das Cover von „Pop Muzik“ hätte ich nicht gebraucht. Stattdessen hätte ich, wie gesagt, lieber anderes gehört, bzw die Hits nicht nur in „Kurzversionen“, was teilweise schon wie ein Medley wirkte.

Insgesamt war es zwar in Ordnung, aber nochmal brauche ich das nicht. Höchstens wenn es eine Konzept-Tour zu den ersten 3 Alben gibt

Achja: Die Kostüme waren teilweise sehr peinlich und wirkten wie Kölner Karneval. Vor allem der Bassist in seiner Mischung aus Angus Young von AC/DC, Ronald McDonald und einem Panzerknacker sah lächerlich aus…

Top Gänsehaut-Momente:
Cambodia, Water on glass, You keep me hanging on.


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