Konzert 2023.03: Alphaville
5.5.2023, Alte Oper (Saal), Frankfurt, Gesamtbewertung: 8,4 (10)
Bewertungen (0-10)
Künstler/Band: 10
Musik: 6
Sound: 10
Bühnenbild: 7
Location: 9
Einführung
Alphaville ist auch so eine schwierige Band für mich. Ihr erstes Album Forever Young halte ich für ein Meisterwerk und einen Meilenstein der elektronischen Popmusik. Vor allem der deutschen elektronischen Popmusik. Danach ging es dann jedoch steil bergab. Auf dem zweiten Album war dann wenigstens noch das schöne „Dance with me“, aber ansonsten war das auch schon ziemlich belanglos. Danach folgten ein paar noch belanglosere, bzw. sogar schlechte Alben (The Breathtaking Blue). Für mich sind Alphaville ein klassischer Fall von: Am Anfang cool, da man zwar einen Traum, aber kein Geld für teure Produktionen hatte, später öde, weil Traum erfüllt und das teure Equipment, dass man sich nun leisten konnte zu langweilig nach mainstream klingt. Mitte der Achtziger kamen viele Synthies auf den Markt, die sehr „clean“ klangen und versuchten echte Instrumente (Vor allem Bläser) perfekt zu imitieren. Anfang der Achtziger oder in den Siebzigern gelang das sowieso nicht und es wurde auch nicht zwingend versucht. Da ging es noch mehr darum eigene Sounds zu erstellen. Es war eine neue Art der Kreativität, die Künstler herausforderte. Ab Mitte der Achtziger wurden die meisten Synth-Acts immer langweiliger
Vielleicht hatte Keyboarder Frank Mertens, der nach dem ersten Album die Band verlassen hat und durch den Gitarristen Ricky Echolette ersetzt wurde, doch größeren Einfluss als gedacht. Das war ja auch so eine „Krankheit“ der späten Achtziger, dass Synth-Bands auf einmal meinten, man müsse wieder mehr „echte“ Instrumente wie Gitarren und Saxophon einsetzen.
Auch die Solo-Sachen von Sänger Marian Gold finde ich trotz seines sympathischen Wesens und seiner tollen Stimme eher langweilig. Ein Alphaville-Konzert ist also immer irgendwie ein Risiko, denn für mich zählt primär, wieviele Stücke von Forever Young auf der Setlist sind und wie diese interpretiert werden.
Jetzt zum eigentlichen Konzert
Eine Tour zu 35 Jahre Forever Young gab es bereits 2019 und ich berichtete vom Konzert in der Batschkapp (https://ballastwissen.blogspot.com/2019/04/konzert-201907-alphaville.html). 5 Jahre später feiert das Album nun 40jähriges und da es grad in Mode ist, Pop-Alben mit Orchester zu präsentieren, war das ja eine passende Idee, um das Album nochmal zu feiern, ohne ein Abklatsch von vor 5 Jahren zu sein. Zu meiner Freude, war aber nicht „nur“ das Orchester für die Musik verantwortlich, sondern auch die komplette (aktuelle) Band war dabei. Also auch ein Keyboarder, eine Bassistin, ein Drummer und ein Gitarrist. Wobei die Bassistin von Akustik-Bass, über E-Kontrabass bis Synth-Bass alle Varianten an Bässen spielte, die mir bekannt sind. Das war sehr geil und beeindruckend.
Das Bühnenbild war sehr dezent. Natürlich gab es etwas „buntes Licht“ von sehr coolen Scheinwerfern, aber eine „Lightshow“ gab es nicht wirklich. Auch die Visuals auf den Leinwand-Bannern waren sehr zurückhaltend und wenig bewegt. Das war aber auch nicht nötig, denn die Musiker boten ja genug Motive zum beobachten. Da brauchte es keine visuelle Ablenkung. Die Umsetzung mit dem Orchester war sehr gelungen, obwohl ich mir teilweise etwas mehr Orchester und etwas weniger Band gewünscht hätte. Die Pauken hätte man zum Beispiel etwas mehr einsetzen können und auch das Glockenspiel wäre an Stelle einzelner Synthie-Melodien eine gute Alternative gewesen. Aber das ist jammern auf hohem Niveau.
Wie immer gibt es über Marian Gold weder gesanglich, noch menschlich etwas zu meckern. Er ist einfach ein lieber Teddybär mit toller Stimme. Besonders unterhaltsam fand ich die zahlreichen Anekdoten zur Entstehung diverser Songs. Vor allem bei seinen Ausflügen ins Berlin der Achtziger bekam ich leuchtende Augen.
Ich war eigentlich etwas enttäuscht bezüglich der Setlist, denn es waren nur 6 Titel von „Forever Young“ dabei, was mir für „40 Jahre Forever Young“ etwas zu wenig erschien. 2019 wurde das ganze Album gespielt und zusätzlich noch zwei B-Seiten aus der Zeit. Da waren meine Erwartungen leider mal wieder zu hoch. „To Germany with love“, „Fallen Angel“, „In the mood“, „Lies“ oder wenigstens die Single „Jet Set“ hätte ich schon ganz gerne noch gehört. Die B-Seiten „Seeds“, „Nelson Highrise“ oder „Golden Feeling“ wären dann noch die Krönung gewesen, aber immerhin gab es die B-Seite von „Forever Young“, das wunderschöne „Welcome to the sun“. Das war auch gleich eines der Highlights. Eventuell habe ich das Konzept aber auch falsch interpretiert und es ging um „40 Jahre Alphaville“ und nicht um „40 Jahre Forever Young“. Dann würde die Setlist passen. Aber das wäre eigentlich falsch, denn Alphaville wurden 1981 gegründet… 😉
Trotzdem mal wieder ein sehr schönes Alphaville Konzert in guter Atmosphäre in toller Begleitung. Im Sommer spielen Sie auf dem Frankenstein in Darmstadt. Also quasi bei mir zu Hause. Mal sehen, ob ich da nochmal hingehe…
Top Gänsehaut-Momente:
Summer in Berlin, A victory of love und Welcome to the Sun.









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