OMD in Offenbach

Konzert 2024.01: OMD

30.1.2024, Stadthalle, Offenbach
Support: Walt Disco
Gesamtbewertung: 9 (10)

Bewertungen (0-10)
Künstler/Band: 10
Musik: 8
Sound: 10
Bühnenbild: 10
Location: 7

Einführung

Immernoch gehört OMD zu den Bands, die ich in meinem Leben am häufigsten gesehen habe. Ähnlich oft waren vielleicht noch Depeche Mode, Pet Shop Boys und Midge Ure, wobei OMD einfach auch dauernd auf Tour sind und das auch in Deutschland. Manchmal habe ich sogar schon in Erwägung gezogen mal eine Tour ausfallen zu lassen, aber andererseits sind sie live immer wieder eine Freude und außerdem auch immer für eine Überraschung in der Setlist gut. Und dann haben sie auch noch ein gutes Händchen für die Support-Acts. Gab es in der Vergangenheit geniale Neu-Entdeckungen für mich wie Holygram, Villa Nah oder die genialen Vile Electrodes im Vorprogramm von OMD.

Dieses Jahr gab es keine Zweifel daran ein Ticket zu kaufen, denn das neue Album „Bauhaus Staircase“ ist in meinen Augen das beste OMD-Album seit „Dazzle Ships“ (1983) und gefällt mir richtig gut. Da die Tour dem Album gewidmet ist, war also mit einigen Songs davon zu rechnen. Grenzwertig war nur die Location: Die Offenbacher Stadthalle mit seinem „70er Jahre Schul-Turnunterricht“ meets „Schulfest-Aula-mit-Kuchentheke-der-SV“ Charme, ist eine meiner ungeliebtesten Konzerthallen. Nicht zuletzt auch wegen der schlechten Erreichbarkeit und den katastrophalen Parkmöglichkeiten. Und dann auch noch in Offenbach…
Immerhin muss man den Organisatoren zu gute halten, dass man schnell an Getränke und Essen ran kommt und auch das Personal extrem freundlich war. Also doch

Support Act: Walt Disco

Auf Grund der erwähnten Highlights an Vorgruppen in der Vergangenheit war ich tierisch gespannt auf Walt Disco. Meine Neugier war aber zu groß, um nicht vorab mal reinzuhören, was die 6 Jungs aus Glasgow so machen. Ich war überrascht, denn die klingen garnicht so elektronisch wie andere Bands in der Vergangenheit, sondern eher wie eine Mixtur aus David Bowie, Roxy Music, Pulp und T-Rex. Also irgendwie 70er Glamrock. So sollte es dann auch sein. Aber gerade das war sehr erfrischend und ich fand den Auftritt genial. Auf der Bühne standen nicht nur 6 sehr junge und sehr gute Musiker, sondern die hatten richtig Spaß dabei, die Musik ihrer Großväter besser zu spielen, als die Interpreten es damals taten. Ich musste danach auch unbedingt als Unterstützung und Anerkennung eine CD kaufen, obwohl ich vorab schon die ganze Diskographie online erworben hatte. Immerhin bekam ich die CD von Bassist Charlie und Keyboarder Finlay signiert 😉

Ein paar interessante Links zur Band:
https://www.plattentests.de/rezi.php?show=18431
https://www.nme.com/blogs/nme-radar/walt-disco-unapologetic-goth-glam-that-doesnt-care-what-the-boomers-think-young-hard-and-handsome-ep-radar-2757889
https://waltdisco.os.fan

OMD

Für OMD-Verhältnisse fing das Konzert sehr technoid mit dem Intro „Evolution of Species“ an. Der Sound, der schon bei Walt Disco sehr gut war, kam jetzt mit den fetten Bässen richtig zum tragen. Die sehr geilen Visuals ergänzten das perfekte Licht und den überzeugenden Sound. Abgesehen von den insgesamt 9 neuen Titeln (inkl. Intro und Break) gab es gewohnte Kost. Und das ist bei OMD ein Lob. Mit den 2 Live-Keyboardern Paul und Martin, dem Drummer Stuart, sowie Live-Bass von Andy und Live-Sax von Martin kommt jede Menge Musik live von der Bühne und das auch in guter Qualität. So Kleinigkeiten, dass Paul sein Keyboard augeschaltet hat, bevor er mit Sänger Andy für „Forever live and die“ die Rollen tauschte und Andy das zuerst nicht gerafft hatte, trugen zur Stimmung bei. Andy nannte Paul einen „Bastard“. Aber sehr liebevoll und beide konnten darüber lachen. Das ist es auch was ich an OMD liebe: Sie nehmen sich selbst nicht zu ernst und haben einfach viel Spaß mit dem was sie da tun. Das übertragen sie auch wieder auf ihr Publikum.

Zur Playlist gab es dieses Jahr keine großen Überraschungen. Höchstens, dass es 9 neue Titel gab. So viele spielten sie schon lange nicht mehr, was aber auch an der Qualität des neuen Albums liegt. Mit „Forever live and die“, „Locomotion“ und dem schlechtesten neuen Song „Look at you now“ spielten sie auch wie gewöhnlich mindestens 3 Songs, die ich Scheiße finde. Addiert man noch „Souvenir“ und „Don’t Go“, die ich beide auch nur so lala finde, waren es (für mich) relativ viele überflüssige Songs. Dafür war aber jeder andere Song eine Freude. Mir fehlte ein echtes Überraschungs-Highlight wie „Romance of the Telescope“, „Of All The Things We’ve Made“, „Red frame – white light“ oder wenigstens „Telegraph“. Trotzdem war es wieder ein großartiges Konzert und das nächste Mal bin ich wieder dabei. Sofern es ein nächstes Mal geben sollte. Es gibt da so Gerüchte…

Highlights: Wie immer „Maid of Orleans“ und „Electricity“, aber auch die neuen Songs „Kleptocracy“, „Bauhaus Staircase“ und „Anthroposcene“ fand ich live sehr gut. Molly Ringwald in den Visuals zu „If You Leave“ war auch sehr fein. Der Song war 1986 Teil des super Soundtracks von „Pretty in Pink“ (u.A. auch mit Smiths, New Order, Echo & the Bunnymen).


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