Konzert 2023.08: Lebanon Hanover
8.12.2023, Oetinger Villa, Darmstadt
Support: Delta Komplex
Gesamtbewertung Delta Komplex: 8,25 (10)
Gesamtbewertung Lebanon Hanover: 6 (10)
Bewertungen Delta Komplex (0-10)
Künstler/Band: 9
Musik: 8
Sound: 8
Bühnenbild: ohne Wertung
Location: 8
Bewertungen Lebanon Hanover (0-10)
Künstler/Band: 5
Musik: 3
Sound: 8
Bühnenbild: ohne Wertung
Location: 8
Einführung
Mal wieder ein Konzert in Darmstadt. Ich liebe es ja, wenn ich einfach zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu einem Konzert fahren kann. Keine Parkplatzsuche, keine Abstinenz während des Konzerts und keine Zeitplanung bezüglich Anreise. Grundsätzlich also eine entspannte Sache. Und dann noch im (positiv) siffigen Jugend-Club „Oetinger Villa“. Das hat für mich alten Sack schon etwas von Zeitreise in die Achtziger, als man in der Krone abhing. Das Bier und das Wasser für 1€ ist natürlich auch eine Sensation.
Lebanon Hanover war nicht alleine der Grund für mich hierher zu gehen, wobei ich deren Veröffentlichungen schon auch sehr gut finde. Vergleiche zu Joy Division, Sisters of Mercy oder Trisomie 21 halte ich für durchaus nachvollziehbar. Trotzdem hat mich eher der Support-Act Delta Komplex hierher gelockt. Die Band kommt immerhin aus meiner Heimatstadt, macht elektronische, melodisch dustere Musik und hatte hier Live-Premiere in ihrem „Quasi-Wohnzimmer“.
Tickets waren schnell ausverkauft und es wurde ein zweiter Termin für Lebanon Hanover am 7.12. organisiert, bei dem allerdings Delta Komplex nicht als Support angefragt wurden. Ich musste also etwas Tickets tauschen, um auf dem richtigen Konzert zu landen.
Support Act: Delta Komplex
Das schöne daran, wenn man wegen der Vorgruppe da ist: Es ist noch leer und man kann gechillt mit seinem Bierchen irgendwo am Rand stehen und sich den Gig anschauen. Gegenüber dem letzten Auftritt im ono2 wirkte die Band deutlich selbstbewußter und etwas routinierter. Dass der Sound auch deutlich besser war half dabei vermutlich genauso, wie die gute Stimmung in der Villa mit vielen Freunden der Band. Sängerin Minu sang wieder phantastisch und wenn man die Augen schließt, konnte man denken Siouxsie Sioux steht da vorne und singt. Vielleicht etwas weniger aggressiv als das Vorbild, aber genauso atmosphärisch. Welche elektronischen Parts aus dem Laptop kamen und welche der Keyboarder live spielte, konnte ich nicht ganz raushören. Ist aber auch relativ Wurscht, solange er überhaupt etwas Elektronisches live macht und das hat er definitiv. Die Gitarre war dezent und bereicherte den elektronischen Sound mit Post-Punk Riffs. Eine Setlist konnte ich im Netz leider nicht finden, aber die Song-Auswahl war gut und der Ticketkauf hat sich alleine für das Trio schon gelohnt.




Lebanon Hanover
Die Wahlberliner aus der Schweiz und Sunderland haben mich ziemlich überrascht. Allerdings nicht positiv, sondern eher negativ. Dass heutzutage Bands, deren Aufnahmen in erster Linie elektronisch sind, auf der Bühne oft nur einen Laptop-User und Sänger/in präsentieren kennt man ja leider und auch das finde ich ja immer sehr schade. LH haben es in meinen Augen aber etwas übertrieben. Da sowohl William, als auch Larissa singen, haben sie wohl beschlossen, dass die (elektronische) Musik komplett aus der Konserve kommt und die beiden nur den Bass und Gitarre als Instrumente live beisteuern. OK, der Bass ist auch sehr präsent bei den Aufnahmen, aber die Band sollte mal über Keyboard-Personal bei Konzerten nachdenken. Es wurde kaum mal ein „Filterchen“ live manipuliert oder gar eine Melodie gespielt. Es stand zwar ein einsames Keyboard (bzw. ein Controller) auf der Bühne, aber aus der Erinnerung würde ich sagen, dass Larissa daran nur zweimal rumgespielt hat. Ansonsten stand es da verwaist am Rand und ist vermutlich mehr im Standby-Modus gewesen, als dass es Sound generiert oder gesteuert hätte. Besonders ärgerlich, da es einige instrumentale Teile gab, bei denen William nur sinnlos rumgetanzt hat, statt sich mal musikalisch zu betätigen.
Da sind wir schon beim nächsten Kritik-Punkt: Die Musik klang ab der Hälfte des Konzertes komplett anders, als ich es von den Aufnahmen in Erinnerung hatte. Entweder hatte mir jemand was ins Bier gekippt oder die Künstler waren komisch drauf. Die minimalistische melancholische melodische Musik war auf einmal irgendwie aggressiv und wirkte sogar fast schrammelig. Es war eher EBM und ich hab keine Ahnung welche Songs das gewesen sein sollen. Die erwartete dustere Atmosphäre war nach ca. 4-5 Songs verschwunden und wurde durch Rock-Attitüden ersetzt. Mich hat das Konzert teilweise richtig genervt, was sehr schade ist, denn die Musik an sich finde ich auch jetzt noch sehr gut. Vielleicht war auch nur ich komisch drauf und andere Besucher haben das anders wahrgenommen. Dann tut es mir sehr Leid. Andere Meinungen sind in den Kommentaren ausdrücklich erwünscht 😉


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